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Mittwoch, 01. Dezember 10 um 16:03

Gedanken zum Monatsspruch Dezember

Kategorie: Bibelworte

Von: Frank Wegen

Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

Matthäus 3, Vers 2

Kerzen strahlen warmes Licht

Adventszeit

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist Advent!
In unserer Gesellschaft - und weithin sind wir da ja ganz Kinder unserer Gesellschaft - ist der Advent mehr oder weniger mutiert zu vier Wochen Weihnachten vorfeiern.

Unser Monatsspruch führt uns wieder zum eigentlichen Anliegen des Advent zurück: Besinnung und Umkehr. Ausrichtung unseres Lebens auf den kommenden Herrn. Ihrem eigentlichen Sinn und Ursprung nach war die Adventszeit ja eine Fasten- und Bußzeit: sich vorbereiten auf die Ankunft des Herrn.

Bei dem Wort Buße haben viele von uns allerdings recht merkwürdige Vorstellungen: Sack und Asche im Büßergewand, auf bloßen Knien steinerne Treppenstufen hoch rutschen und manches mehr.

Lassen wir die Klischees mal beiseite.
Umkehr – ich mache einen ausgedehnten Spaziergang im Wald. Das Gebiet kenne ich nicht, ich habe nur eine ungefähre Vorstellung, wo ich hin will. Der Weg wird immer schmaler. Aus dem Weg wird ein Trampelpfad, die Bäume werden immer dichter. Mit einem Mal geht es nicht mehr weiter. Ich muss umkehren.
Umkehr – ich fahre auf der Durchgangsstraße in eine fremde Stadt hinein und biege falsch ab. Ich muss umkehren.
Umkehr – das hat etwas damit zu tun, dass ich mich in die falsche Richtung bewege. Ich muss von einem falschen Weg umkehren. Von einem Weg, der keinen Sinn macht. Von einem Weg, der in die Irre führt. Ich kehre um, um jetzt den richtigen Weg, die richtige Richtung zu nehmen.

Und das gilt gleichermaßen für unser ganzes Leben und fängt oft im Kopf an. Darauf weist uns das griechische Wort hin, dass wir an dieser Stelle finden (metanoia) und das wörtlich ´Sinnesänderung` heißt. Buße und Umkehr beginnen damit, dass ich meinen Sinn ändere.
Es geht also gerade nicht um rituelle Übungen, die ich tue, ohne dass sich in mir etwas  verändert hat. Es geht um eine Änderung unseres Sinnes. Das sieht ganz praktisch zum Beispiel so aus: Mir wird bewusst, dass ich über einen Menschen schlecht rede und dass das nicht im Sinne Gottes ist. Ich kehre von diesem Weg um, ich ändere meinen Sinn und sage mir: Künftig werde ich das nicht mehr tun. Ich werde gut über ihn reden. Ich habe meinen Sinn geändert. Und das hat Folgen für mein Handeln. Die Umkehr will vollzogen werden. Die Sinnesänderung will zur Praxis werden.
Umkehr also – ein Weg des Denkens. Falsche Gedanken. Vorurteile. Festlegungen. Im Blick auf andere Menschen. Im Blick auf andere Kulturen oder Ethnien, Religionen oder Konfessionen. Falsche Perspektiven und Pläne. Falsche Handlungsmuster. Umkehr ist angesagt – ein Weg des Denkens.
Umkehr – ein Weg des Redens. Abfällige oder verletzende Bemerkungen. Leiser Spott oder Zynismus. Geltungsdrang und mich selber besser darstellen, als ich bin. Gerüchte, Halbwahrheiten, Übertreibungen oder leere Versprechungen.
Umkehr – ein Weg des Handelns. Ich tue Dinge, von denen ich weiß, dass sie aus Gottes Sicht nicht akzeptabel sind. In Fragen der Ethik und des Lebensstils. In Fragen des ökologischen Bewusstseins oder der globalen Gerechtigkeit.
Wenn ich mir all diese Wege anschaue, dann haben sie immer auch mit Schuld zu tun. Es ist Schuld, die Umkehr erforderlich macht. Es geht um mehr als um Kurskorrekturen wie in den Beispielen am Anfang.
Ich gestehe Schuld ein. Und kehre um.
Eines ist dabei wichtig: Nicht nur die Umkehr vom verkehrten Weg, sondern auch die Hinkehr zum richtigen Weg. Die Hinkehr zu Gott.
Das macht unser Vers deutlich, der den Ruf zur Umkehr ja mit einer eindeutigen Begründung versieht: Denn! Denn das Himmelreich ist nahe. Das war die Botschaft Johannes des Täufers – aus diesem Zusammenhang stammt unser Vers -, mit der er die Menschen auf das Kommen des Christus vorbereitet hat.
Es geht also nicht nur um Kurskorrektur, nicht um Wiedergutmachung, nicht um Rituale, sondern ganz grundlegend um die Stellung des Menschen zu Gott. Die Ausrichtung des ganzen Lebens auf den kommenden Herrn.
Wir sind im Advent. Unser Monatsspruch formuliert das Anliegen und die Botschaft des Advent: Kehrt um! Nicht nur, damit das Leben besser gelingt. Es geht um weit mehr. Es geht darum, dass Gott bei uns ankommen kann. Sein Heiliger Geist zum Zuge kommen kann. Damit das geschehen kann, ist oft Umkehr vonnöten. Eine bewusste Abwendung von falschen Gedanken, falschem Reden und falschem Handeln. Immer wieder neu.

Auch wenn das offizielle Jahr der Stille mit Ablauf des Kirchenjahres vorüber ist: Gerade der Advent lädt uns zu Stille und Umkehr ein.

Einen in diesem Sinne gesegneten Advent wünscht Euch


Euer Frank Wegen